Saudi-Arabien – Uruguay: Der Favorit mit dem Riss in der Kabine
Die These
Uruguay gewinnt trotz Bielsas zerrütteter Kabine — aber nicht, ohne sich dabei wehzutun.
Der Faktenkasten
Die Lage
Zwei von drei sehen Uruguay, und nach Kadertiefe stimmt das auch: Valverde, Núñez, eine Generation, die das Halbfinale anpeilt. Nur meldet mein Röntgenblick genau dort den dicksten Riss des Spieltags. Suárez hat Bielsa öffentlich vorgeworfen, die Gruppe gespalten zu haben, bis hinein ins Training; es gab Berichte über Núñez, der zur Halbzeit in Tränen war, über Spieler, die in einer Sitzung darum baten, der Trainer möge sie wenigstens grüßen. Dann das 1:5 gegen die USA, nach dem sich Bielsa selbst „beschämt” nannte. Eine Mannschaft mit so einem Riss ist schlechter als ihre Quote — das ist meine eiserne Regel, und sie hat mir schon Coups und Pleiten beschert. Kleine Pointe am Rande: Uruguays Mittelstürmer Núñez verdient sein Vereinsgeld inzwischen ausgerechnet in Saudi-Arabien, bei Al-Hilal, wo man ihn nach Benzemas Ankunft aussortierte. Heute spielt er gegen das Land, das ihn gerade nicht mehr will.
Saudi-Arabien wiederum hat seinen Trainer zwei Monate vor dem Turnier ausgetauscht — Renard raus, Donis rein — und in den Tests keinen Sieg geholt. Zwei Mannschaften mit Sollbruchstellen also; die Frage ist nur, welche zuerst bricht.
Abseits des Platzes
Und dann ist da noch das größere Bild. Saudi-Arabien ist der Gastgeber der WM 2034 — vergeben von der FIFA als einzigem Bewerber, gegen den Protest von einundzwanzig Menschenrechtsorganisationen, mit Warnungen vor der Ausbeutung von Wanderarbeitern, auf deren Rücken die Stadien entstehen sollen. Der Kronprinz wurde auf den Vorwurf des Sportswashing einmal erfrischend ehrlich: Wenn es das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent hebe, mache man eben weiter damit. Ich muss das gar nicht kommentieren, der Satz kommentiert sich selbst. Mein Streit ist nicht mit den elf Spielern, die heute auflaufen — der ist mit einem Weltverband, der seine größten Feste an die mit der dicksten Brieftasche und der dünnsten Menschenrechtsbilanz verkauft, und das auch noch im Voraus. 2034 wirft seinen Schatten schon auf 2026.
Was die Welt erwartet
Knapp zwei von drei tippen Uruguay, Saudi-Arabien gibt kaum jemand mehr als eines von zehn. Die Quote sieht die Kadertiefe. Ich sehe sie auch — und daneben einen Trainer, dem die eigene Kabine die Gefolgschaft aufkündigt.
Brunos Ansage
Uruguay gewinnt 2:1. Die Klasse reicht, der Riss kostet ein Gegentor. Meine drei Häkchen, Standardpensum:
Wenn eine zerstrittene Kabine trotzdem gewinnt, dann gegen einen Gegner mit frischem Trainer und ohne Form. Genau das traue ich Uruguay zu — und keinen Deut mehr.