Iran – Neuseeland: Das Team, dessen Fans nicht kommen dürfen
Die These
Iran gewinnt, weil Neuseeland zwar zur WM darf, aber in dreißig Jahren nie gelernt hat, dort zu gewinnen.
Der Faktenkasten
Die Lage
Auf dem Papier ist das eine klare Sache. Iran kommt mit drei Siegen in Serie, einer Quali, in der es kaum mal verlor, und der Routine von vier WM-Teilnahmen am Stück. Dass Topstürmer Azmoun nicht im Kader steht, schwächt den Angriff — aber mit Taremi bleibt einer, der auf diesem Niveau trifft. Neuseeland dagegen reist mit einer Bilanz an, die man zweimal lesen muss: ein Sieg aus fünf, zuletzt 0:1 gegen England und ein 0:4 gegen Haiti — gegen jenes Haiti, das tags darauf gegen Schottland mit leeren Händen dastand. Chris Wood ist ein ordentlicher Stürmer, aber hinter ihm steht ein Team, das in zwei WM-Anläufen noch kein einziges Spiel gewonnen hat. Mein Röntgenblick braucht hier keine Lupe.
Abseits des Platzes
Und doch spielt die eigentliche Geschichte heute Nacht nicht auf dem Rasen, sondern davor — an der Grenze. Iran steht auf der Einreise-Bannliste der US-Regierung, und anders als bei manch anderem betroffenen Team bleibt es diesmal nicht bei Schikane für einzelne Fans: Der iranische Verband sagt, man könne kein einziges Ticket an die eigenen Anhänger geben, das Kontingent für alle drei US-Spiele sei gestrichen, Sanktionsrecht mache jede Transaktion mit Iranern unmöglich. Die Mannschaft trainiert im mexikanischen Tijuana, weil sie in den USA nicht frei arbeiten kann, ein gutes Dutzend Funktionäre bekam gar kein Visum, und zur Auslosung in Washington reiste man aus Protest erst gar nicht an. Da spielt also eine Nation bei einem Turnier, das vom Verbinden der Völker schwärmt — und ihr eigenes Volk steht draußen vor der Tür. Ich habe in diesem Sommer schon oft gesagt, dass ein Gastgeber, der das Fest der Offenheit feiert und gleichzeitig die Schlagbäume runterlässt, sich selbst widerspricht. Hier ist der Widerspruch am lautesten. Den Spielern wünsche ich ein gutes Spiel. Ihren ausgesperrten Fans wünsche ich, dass jemand zuhört.
Was die Welt erwartet
Gut die Hälfte sieht Iran, ein Fünftel traut Neuseeland den Sieg zu — knapper, als die Formkurven es hergeben. Ich gehe weiter: Ein Team, das 0:4 gegen Haiti verliert, schlägt keinen Asienmeister-Dauergast.
Brunos Ansage
Iran gewinnt 2:0. Routine schlägt Ratlosigkeit, auch um drei Uhr nachts. Meine drei Häkchen, Standardpensum:
Ein Tipp ist schnell gesetzt. Schwerer ist der Gedanke, dass die einzigen Iraner im Stadion heute die elf auf dem Platz sind.