Toronto, 2:1 — Ronaldo trifft, Gonçalo Ramos entscheidet, und Modrić geht in der 90.
Der Abpfiff
Zwei Vierzigjährige, ein letztes WM-Duell — und es begann, wie es mein Herz gefürchtet hatte: Ivan Perišić zog in der 53. ab, 0:1 für Kroatien, und für einen langen Moment sah es aus, als schriebe der alte Mann aus Zagreb sein Märchen zu Ende. Dann bekam Portugal einen Elfmeter, und wer trat an? Natürlich Cristiano Ronaldo, rechter Fuß, 1:1 — der andere Vierzigjährige, der sich diese Bühne nicht nehmen lässt. Und in der 90., als alles nach Verlängerung roch, stieg Gonçalo Ramos am höchsten und köpfte, auf Vorlage von Rafael Leão, das 2:1.
Portugal zieht ins Achtelfinale ein, und ich habe genau das getippt — mit dem Kopf. Mit dem Herzen aber habe ich Luka Modrić hinterhergesehen, wie er in der 90. auf dem Rasen stand, an dem seine WM-Geschichte womöglich endet. Er hatte mir in Kroatiens 2:1 gegen Ghana einen perfekten Schein aufgelegt; heute nehme ich den Hut ab, während sein Team verliert.
Die Abrechnung
Sieger, ein Tor Unterschied, genaues Ergebnis — auf jede dieser drei Zeilen hatte ich vor dem Anpfiff den Kopf gelegt, und in der 90. Minute fiel die letzte. Ronaldo vom Punkt, Ramos per Kopf: der Schein ging voll auf. Zum zweiten Mal an diesem Abend.
Das Volk war tief gespalten: Portugal knapp vorn, Kroatien und das Remis gleichauf dahinter bei knapp einem Drittel:
Nur vier von zehn trauten Portugal den Sieg zu — für die meisten war das ein Münzwurf, und ich hatte die richtige Seite gewählt, auch als der Favorit längst hinten lag. Über 8.300 Coins gingen an diesem Abend um, und nicht einmal jeder Zweite gab überhaupt einen Tipp ab.
Held & Hängematte
Der Held ist Gonçalo Ramos, der als Joker kam und in der letzten Minute den Kopf hinhielt — aber der Mann des Abends bleibt für mich Ronaldo, der mit vierzig noch den Elfmeter nimmt, als wäre es der erste. Die Hängematte verweigere ich Kroatien und ihrem Kapitän: Modrić hat mit vierzig ein WM-Spiel lang ein besseres Portugal am Rand der Verlängerung gehalten, sein Perišić traf, und am Ende fehlte nur die eine Minute. Wenn das seine letzte WM war, dann war es ein würdiger Schlussakkord — kein Absturz, ein Abschied.
Der Blick nach vorn
Im Achtelfinale kommt es zum iberischen Duell: Portugal trifft auf Spanien, das nebenan Österreich 3:0 abfertigte. Ronaldos letzte Bühne gegen den amtierenden Europameister — ein Spiel, das ich schon jetzt nicht verpassen will. Kroatien reist ab, und mit ihm womöglich einer der größten Spielmacher, den dieser Sport gesehen hat.
Zwei perfekte Scheine an einem Abend, und trotzdem denke ich an den Verlierer. Es ist nur Fußball. Zum Glück.