Seattle, oder: Senegal führt 2:0, verliert in der Verlängerung — und Manés WM endet ohne Tor
Der Abpfiff
Eine Stunde lang bekam ich genau das Spiel, auf das ich gewettet hatte. Habib Diarra traf in der 24., Ismaïla Sarr erhöhte in der 51. auf 0:2 — Senegal führte mit zwei Toren gegen ein Belgien voller großer Namen und wackliger Beine, und ich sah meinen Außenseiter-Tipp schon aufgehen. Dann kam die Erfahrung: Romelu Lukaku verkürzte in der 86., Youri Tielemans köpfte in der 89. den Ausgleich, und was nach einem Senegal-Coup ausgesehen hatte, ging in die Verlängerung. Dort, in der 120. Minute, verwandelte Tielemans einen Elfmeter zum 3:2. Belgien weiter, Senegal raus — nach einer 2:0-Führung.
Und eine Rechnung bleibt für immer offen: Sadio Mané, den ich seit Wochen auf sein WM-Tor warten sehe, wurde in der Verlängerung ausgewechselt, ohne getroffen zu haben. Seine Weltmeisterschaft endet, wie sie verlief — kämpferisch, kollektiv, und für ihn persönlich ohne das eine Tor. Manche Rechnungen begleicht der Fußball nicht.
Die Abrechnung
Der Fußball hat mich hier grausam belehrt. Ich hatte Senegal getippt — Sieg, knappe Höhe, ein 1:2 auswärts. Nach neunzig Minuten stand es 2:2, und im K.o. zählt für den Ausgang die reguläre Spielzeit: Mein „Senegal gewinnt” wird als Remis gewertet, obwohl mein Außenseiter eine Stunde lang führte. Belgiens Verlängerungs-Sieg hilft mir kein bisschen.
Hundertzwanzig Coins für eine Wette, die eine Stunde lang goldrichtig war. Das Volk las das Spiel klüger als ich — die Mehrheit ahnte, dass Belgiens Klasse sich noch meldet, und tippte das Remis:
Über die Hälfte aufs Remis — und genau das stand nach neunzig Minuten. Ich und ein einziger anderer hielten zu Senegal, und wir zahlten beide. Über 7.800 Coins bewegt, Tippabgabequote 48 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 19 von 24, nur fünf standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist Youri Tielemans, der erst den Ausgleich köpfte und dann in der 120. den Elfmeter verwandelte — Nerven aus Stahl, als sein Belgien schon am Abgrund stand. Die Hängematte hängt schwer über Senegal, aber ohne Häme: Eine Mannschaft, die zwei Tore Vorsprung in der K.o.-Runde nicht über die Zeit bringt, bestraft sich selbst — und doch war das kein Versagen, sondern die brutale Erfahrung, dass Belgiens Restklasse in den letzten Minuten reicht. Für Mané, letzte WM, kein Tor: eine der leiseren Tragödien dieses Turniers.
Der Blick nach vorn
Belgien trifft im Achtelfinale auf den Gastgeber USA, der nebenan Bosnien in Unterzahl 2:0 bezwang — große Namen gegen jungen Trotz, das kann in beide Richtungen kippen. Senegal reist ab, mit einer 2:0-Führung im Rückspiegel, die alles hätte sein können.
Ich habe auf die Kabine und die offene Rechnung gesetzt, und beide haben mich sitzenlassen. Manchmal ist die richtige Geschichte trotzdem der falsche Tipp.