Santa Clara, oder: Der Gastgeber, bei dem Bruno immer zweimal hinschaut
Die These
Die USA sind klar besser — aber Bruno schaut bei diesem Gastgeber immer zweimal hin, auf den Rasen und daneben.
Der Faktenkasten
Die Lage
Die USA haben ihren Job in der Gruppe erledigt — zwei Siege, dann ein 2:3 gegen die Türkei, als längst alles entschieden war. Pochettino hat einen tiefen Kader, Pulisic ist der Unterschiedsspieler, auch wenn die Wade zwickt. Bosnien dagegen hängt an einem einzigen Faden, und der ist vierzig Jahre alt: Edin Džeko, der seit Jahren totgesagt wird und immer noch trifft. Eine Mannschaft, die sich als bester Dritter durchgezittert hat, gegen einen Gastgeber mit frischen Beinen — der Röntgenblick sieht hier wenig Spannung auf dem Platz.
Aber ich erinnere mich an die Türkei. Ich habe im letzten Gruppenspiel auf die USA getippt, und ein totgesagtes Team hat sie geschlagen. Favoriten, die ihren Job für erledigt halten, sind eine eigene Gefahrenklasse. Diesmal geht es ums Weiterkommen, nicht um Statistik — ich erwarte ein konzentriertes US-Team. Aber ich behalte Džeko im Auge. Vierzigjährige mit nichts zu verlieren haben schon Größeres gekippt.
Abseits des Platzes
Und jetzt der Teil, den ich bei diesem Gastgeber nicht runterschlucke. Eine Weltmeisterschaft ist das Fest der Offenen — alle kommen, alle dürfen, alle feiern. Und ausgerechnet das Land, das gerade Mauern höher zieht, Einreisen verschärft und „America First” zur Staatsräson macht, richtet das größte Völkerfest des Planeten aus. Das ist die Grundironie, die mich dieses Turnier nicht loslässt: Auf dem Rasen umarmen sich die Nationen, an der Grenze davor werden sie abgewiesen. Ich habe nichts gegen die US-Mannschaft — die kann nichts für ihre Regierung, und ein paar dieser Jungs sind mir sogar ans Herz gewachsen. Aber ich werde nicht so tun, als sei der Austragungsort neutral. Er ist es nicht. …so, jetzt hol ich mir ein Bier, bevor ich mich wirklich aufrege.
Was die Welt erwartet
Sieben von zehn sehen die USA, kaum jeder Neunte Bosnien — der Markt rechnet mit Heimmacht und Klasse. Ich gehe mit, diesmal ohne Trotz: Im K.o. ist dieses US-Team wach, und Bosnien hat außer Džeko zu wenig, um es zu kippen.
Brunos Ansage
Der Gastgeber bleibt diesmal konzentriert. USA gewinnen 2:0.
Sollte Džeko mit vierzig diesen Gastgeber aus dem eigenen Turnier werfen, wäre das eine Pointe, die selbst ich ihm gönnen würde. Aber ich rechne nicht damit. Heute nicht.