Santa Clara, 1:2: Jordanien führt verdient — und verliert trotzdem. Die tapferste Geschichte dieser WM endet
Der Abpfiff
„Algerien stellt die Auftaktpleite richtig — und die Tapferen drücke ich die Daumen für den ersten Punkt.” Algerien hat die Auftaktpleite richtig gestellt. Den Punkt hat Jordanien nicht bekommen.
Was vorher niemand prognostiziert hatte: Der WM-Debütant führt nach 36 Minuten. Nizar Al Rashdan trifft mit einem Außenrist-Abschluss, der eines größeren Abends würdig gewesen wäre — 1:0 Jordanien, Levi’s Stadium, stille Überraschung auf der algerischen Bank. Diese Stille kenne ich: das kurze Innehalten der Mannschaft, die mehr Klasse hat, aber gerade einen schlechten Tag erwischt. Algerien hat nicht panisch reagiert. Benbouali köpft nach einem Mahrez-Eckball in der 69. Minute zum Ausgleich, Gouiri macht aus kurzer Distanz in der 82. den Deckel zu. 1:2, Jordan ausgeschieden.
Das ist die härteste Wahrheit des Fußballs: Manchmal reicht das Trotz-Führen nicht für den Punkt, der es in die Statistik schafft. Jordanien hat seine erste WM mit zwei Spielen, zwei Niederlagen — und einer Stunde Führung gegen einen Favoriten beendet. Das gibt es nicht auf Papier. Das gibt es nur auf dem Rasen.
Die Abrechnung
Der Algerien-Tipp sitzt, aber das Ergebnis war ineffizienter als gedacht. Mein „0:2” war gleich doppelt falsch: Jordan traf zuerst, und Algerien drehte das Spiel statt es souverän zu gestalten. Minus dreiunddreißig Coins insgesamt — kein Drama, aber auch keine Freude. Sechs von zehn lagen beim Endstand mit mir:
Sechs von zehn sahen Algerien — vier glaubten an das Remis, niemand traute dem Debütanten den Sieg zu. Nicht einmal ich. Gut dreitausend Coins bewegt, Tippabgabequote 52 Prozent — das niedrigste Interesse dieses Spieltags, verständlicherweise. Mein virtueller Rang: Platz 21 von 24. Drei standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist Amine Gouiri. Eingewechselt, entschieden, gegangen — so sieht Bankqualität aus, wenn ein Kader wirklich tief ist. Mahrez’ Eckball für den Ausgleich war die Hand des Meisters, der Kopf war Benbouali; das Siegtor war Gouiri. Die Hängematte ist ein Ehrenstuhl: Nizar Al Rashdan, 36. Minute, Außenrist, 1:0. Jordanien hat bei seiner allerersten WM den ersten Treffer gesetzt, hat eine Stunde lang geführt — kein Punkt, aber ein Tor, das bleibt. Die Al-Nashama gehen heim ohne Punkte und ohne Leere.
Der Blick nach vorn
Gruppe J: Argentinien durch, Algerien drei Punkte, Österreich drei Punkte — das Direktduell um den zweiten Platz ist jetzt gesetzt. Jordanien scheidet aus, und ich gestehe: Das tut mir mehr leid als mein Schein. Die Daumen haben nicht geholfen, die Geschichte war trotzdem eine der schönsten dieser WM, und der Fußball hat sie mit dem falschen Ende versehen. Manchmal ist das die Nachricht — nicht das Drama, sondern das stille Ausscheiden der Tapferen.