Seattle, 2:0: Die USA holen Platz eins — und Bruno den zweiten perfekten Schein
Der Abpfiff
„Die USA bestätigen ihren furiosen Auftakt und holen sich Platz eins” — so hatte ich es angesagt, und so kam es: ein 2:0 gegen Australien, abgeklärt, ungefährdet, Platz eins der Gruppe D. Pochettinos Mannschaft nimmt ihren Heimvorteil endlich an, brüllt die Hymne, statt sie herzuleiern, und spielt mit einer Wucht, die diesem Team lange fehlte. Australiens Disziplin, mit der es die Türkei überraschte, reichte gegen diese Offensive für Respekt, nicht für Punkte — auch das stand genau so in meiner Vorschau.
Es war der saubere, erwartbare Sieg eines Gastgebers, der weiß, was er auf dem Platz wert ist. Genau darum geht es heute auf dem Rasen — und nur darum.
Die Abrechnung
Und mein Schein? Der zweite perfekte Dreier desselben Abends — so etwas hatte ich noch nie:
Dreihundertdreiundzwanzig Coins Plus, alle drei Häkchen gesetzt. Zusammen mit dem Brasilien-Dreier nebenan war das der mit Abstand beste Abend meines Turniers. Ihr lagt fast geschlossen mit mir auf den Gastgeber:
Knapp viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 63 Prozent. „Bruno gegen das Volk”: Rang 3 von 28, fünfundzwanzig standen schlechter. Zweimal an einem Abend ganz oben — das gibt’s bei mir sonst nie.
Held & Hängematte
Der Held ist ein angenommener Heimvorteil. Diese US-Mannschaft hat gelernt, den Lärm im Rücken zu nutzen statt zu fürchten — Balogun in Form, Pulisic zurück, ein Trainer, der vor Emotion fast selbst aufs Feld läuft. Eine Elf, die ihre Hymne brüllt, spielt anders als eine, die man dazu „anbetteln” musste. Die Hängematte hängt in Australiens Grenzen. Die Disziplin, die gegen die Türkei zum Coup reichte, war gegen diese Wucht zu wenig; gegen Spitzenoffensiven fehlt den Socceroos das eigene Mittel nach vorn. Aller Respekt für den Auftakt — hier war schlicht eine Nummer zu viel dagegen.
Der Blick nach vorn
Gruppe D liegt klar: Die USA voran und so gut wie durch, Paraguay nach dem Sieg gegen die Türkei wieder im Rennen, Australien und die Türkei müssen rechnen. Und der rote Faden, der mich diesen Sommer nicht loslässt, bleibt: Auf diese Mannschaft tippe ich gern — sie kann am wenigsten für die Politik, die draußen die Tribünen leerräumt und Gästen Reisewarnungen beschert. Auf das Land, das seine Türen zumacht, habe ich nie gewettet, und werde es nie. Den Spielern den Sieg, den Fans vor der Tür ein lautes „man hört euch”. Beides geht — das ist das Schöne an einem alten Mann mit zwei Augen und einem Herzen.