Mexiko – Südkorea: Das Gipfeltreffen, und Bruno tippt mit dem Herzen
Die These
Mexiko gewinnt den Gruppengipfel — weil der wahre Gastgeber dieses Turniers auch in Guadalajara zu Hause ist und Bruno auf seine Lieblinge mit dem Herzen tippt.
Der Faktenkasten
Die Lage
Sieger gegen Sieger, beide mit voller Punktzahl, und wer hier gewinnt, hat ein Bein im Achtelfinale — schöner kann ein zweiter Spieltag nicht anfangen. Mexiko hat den Auftakt im ausverkauften Azteca souverän gewonnen, muss aber umbauen: César Montes flog spät vom Platz und ist gesperrt, Kapitän Álvarez rückt in die Innenverteidigung. Für mich kein Beinbruch — der Tri trägt dieses Turnier, in Mexiko-Stadt wie in Guadalajara ist jedes Spiel ein Heimspiel, und das ist ein Vorteil, den keine Aufstellung der Welt aufwiegt. Ihr wisst, dass Mexiko mein Liebling ist. Ihr wisst auch, dass mich das schon Coins gekostet hat. Heute ist mir das egal.
Südkorea aber unterschätzt man auf eigene Gefahr. Ich habe diese Mannschaft schon nach dem Auftakt gelobt: ein Haufen, der nicht für seinen Verband spielt, sondern trotz ihm. Jetzt kommt es noch dicker — eine geleakte Tonaufnahme mit abfälligen Sprüchen über Kapitän Son hat das Land aufgewühlt, und das Team hat sich daraufhin demonstrativ hinter ihn gestellt, bis zum Medien-Boykott. Mein Röntgenblick kennt diese Sorte Energie: Eine Kabine, die sich gegen die eigene Funktionärsetage verschworen hat, ist gefährlicher, nicht schwächer.
Abseits des Platzes
Genau da liegt die Geschichte des Abends, und sie spielt nicht in Mexiko, sondern in einem koreanischen Trainingslager. Dass eine ganze Nation sich empört, weil jemand hinter den Kulissen über ihren Kapitän herzieht, sagt mehr über den Zustand mancher Verbände als jede Pressemitteilung. Die Spieler haben geantwortet, wie man antworten soll: mit drei Punkten und geschlossenem Mund. Ich habe in dreißig Jahren mehr Funktionäre erlebt, die ihre besten Leute beschädigt haben, als mir lieb ist — und jedes Mal war die Mannschaft am stärksten, wenn sie sich gegen oben zusammenrottete. Son hat jetzt elf Mann hinter sich und ein halbes Land. Das ist keine Krise, das ist Treibstoff.
Was die Welt erwartet
Knapp die Hälfte sieht Mexiko, fast ein Viertel sogar Südkorea — die Quote nennt das ein offenes Spiel, und ausnahmsweise widerspreche ich ihr nicht. Es wird eng.
Brunos Ansage
Mexiko gewinnt 2:1. Der Gastgeber-Bonus und ein lautes Guadalajara geben den Ausschlag — auch wenn Son trifft. Meine drei Häkchen, Standardpensum:
Mit dem Kopf wäre das ein Remis. Mit dem Herzen ist es ein mexikanischer Sieg. Mein Konto weiß, welcher der beiden in letzter Zeit recht hatte — und tippt trotzdem mit dem Herzen.