Schottland – Marokko: Brunos Spezial kehrt zurück
Die These
Marokko gewinnt und übernimmt die Gruppe — die Klasse des WM-2022-Halbfinalisten ist auch im Umbruch eine Nummer zu groß für Schottlands Euphorie.
Der Faktenkasten
Die Lage
Schottland ist von der Leine. Erster WM-Sieg seit sechsunddreißig Jahren, erstes WM-Spiel überhaupt seit 1998, McGinns Tor gegen Haiti, daheim wurde halb im Ernst über einen Feiertag debattiert — die Tartan Army schwebt. Genau das ist die Gefahr. Euphorie ist ein schlechter Ratgeber gegen einen Gegner dieser Klasse, und Steve Clarkes Mannschaft muss jetzt nicht mehr befreit aufspielen, sondern ein Ergebnis verwalten, das sie noch gar nicht hat.
Denn Marokko ist trotz allem Marokko: neun Mann aus dem Kader, der 2022 ins Halbfinale stürmte, Hakimi als Champions-League-Sieger, Brahim Díaz in Form. Ja, es rumort — Walid Regragui, der Halbfinal-Held, ist zurückgetreten, der frühere U20-Weltmeistertrainer Ouahbi hat erst im März übernommen, und gegen Brasilien reichte es nur zum 1:1. Ein Umbruch, sicher. Aber mein Röntgenblick sieht unter der neuen Trainerhand denselben verschworenen Haufen, der ganz Afrika 2022 stolz machte. Ihr wisst, dass Marokko zu meinen Lieblingen gehört. Diesmal lasse ich diese Sympathie ausnahmsweise auf den Tippschein durch.
Abseits des Platzes
Eine Sache muss ich loswerden, und sie passt zu meiner Abneigung gegen alles, was Fußball am Schreibtisch entscheidet. Marokko ist amtierender Afrikameister — aber nicht, weil es das Finale gewonnen hätte. Auf dem Platz verlor man im eigenen Land 0:1 gegen Senegal; erst ein Verbandsbeschluss der CAF drehte das Ergebnis Wochen später auf 3:0 für Marokko, weil Senegal das Feld verlassen hatte. Ein Kontinentaltitel, vergeben per Aktenzeichen statt per Schlusspfiff. Ich halte von solchen Entscheidungen genau so viel wie vom Millimeter-Abseits aus der Kabine im Kölner Keller: Der Fußball verliert sein Menschliches, sobald ihn die Buchhaltung übernimmt. Das ist nicht Marokkos Schuld — die Spieler haben ein Finale gespielt. Es ist die Schuld eines Systems, das lieber urteilt als spielen lässt.
Was die Welt erwartet
Mehr als die Hälfte sieht Marokko, Schottland trauen nur knapp zwei von zehn den Sieg zu — die Quote rechnet die Euphorie der Schotten nüchtern klein. Ich auch. Und genau deshalb wird es Zeit für den dicken Einsatz.
Brunos Ansage
Marokko gewinnt 2:1. Schottland trifft im Rausch, Marokkos Klasse dreht es. Und jetzt haltet euch fest: Zum ersten Mal seit Wochen kommt Brunos Spezial wieder auf den Tisch — dreihundert Coins, die Pyramide andersherum, das dicke Ende aufs genaue Ergebnis. Das ist die Wiedergutmachung für meinen verunglückten Marokko-Schwur vom letzten Mal.
Beim letzten Spezial sagte ich Marokko 2:1 an, und es wurde 1:1. Diesmal bleibe ich stur — die Quote weiß es, ich weiß es besser. Wenn nicht, könnt ihr mich morgen auslachen, und ich lache mit.