2:0 im Azteca: Drei fliegen, einer fehlt — Tshabalala bleibt ein Geist

Das Azteca in vollem Ornat — gewonnen hat hier ohnehin immer das Stadion.
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben: Heute Abend gehört diese WM für zwei Stunden den Fans, ab morgen den Anwälten. Falsch. Die Anwälte kamen schon zur Halbzeit. Drei Platzverweise hat Wilton Sampaio verteilt — zwei gegen Südafrika, einen gegen Mexikos Montes — so viele wie in keinem WM-Eröffnungsspiel seit Jahrzehnten, und das Volksfest wurde zwischendurch zur Gerichtsverhandlung mit Rasenpflege. Dazwischen, fast nebenbei: ein frühes Tor von Quiñones, ein spätes von Jiménez, 2:0, das Azteca singt, der quinto partido ist eine Hoffnung mit drei Punkten Anzahlung.
Und mein Südafrika? Die Kabine, von der ich euch vorgeschwärmt habe, hielt genau 49 Minuten — dann schubste Sithole, sah Rot, und der verschworene Haufen zerlegte sich schneller, als ich „Bafana” sagen konnte. Der Geist von Tshabalala ist nicht erschienen. Kein Tor, nicht mal ein Echo. Ich war jung, ich brauchte den Tipp.
Die Abrechnung
Mein Schein zuerst, der Anstand gebietet es. Ein Häkchen von dreien:
Der Sechziger auf den Sieg hat sich verzinst, der Rest ist Lehrgeld: 85,20 Coins zurück, macht ein Minus von 34,80 auf dem Konto. Verkraftbar. Rentner rechnen in Jahrzehnten.
Und ihr? Fast neun von zehn lagt ihr mit mir auf Mexiko — die tapferen zwölf Prozent auf Südafrika zahlen heute das virtuelle Bier:
Insgesamt hat dieses eine Spiel 4.805 Coins durch Bettle One bewegt, bei einer Tippabgabequote von 87,5 Prozent — 35 von 40 dabei, fünf Faulpelze zahlen Strafe. Zwei Namen ragen heraus, einer strahlend, einer wund:
Und in der ewigen Frage „Bruno gegen das Volk” stehe ich nach Spiel eins virtuell auf Rang 34 von 36 — merkt euch die Zahl, eine Richtung hat sie schon.
Held & Hängematte
Der Held trägt Nummer neun und eine Geschichte: Raúl Jiménez, der vor sechs Jahren mit gebrochenem Schädel um die Karriere spielte, macht im Azteca sein WM-Tor und holt nebenbei den Platzverweis heraus, der das Spiel kippte. Wenn ihr Kindern erklären wollt, warum man nie aufgibt — da, bitte. Die Hängematte hängt heute in Südafrikas Kabine, gleich neben der Disziplin: Zwei Rote in einem Spiel, das man zu zehnt vielleicht noch hätte ärgern können, zu neunt nicht mehr. Hugo Broos hat zwei Jahre an diesem Haufen gebaut; gestern haben ihn zwei Handbewegungen eingerissen.
Der Blick nach vorn
Mexiko hat den Rucksack nicht abgelegt, aber er sitzt besser. Südafrika braucht jetzt gegen Südkorea und Tschechien zwei kleine Wunder und volle Personalstärke. Und mein 4-Uhr-Schein, Tschechien gegen Korea — der Schwur von Prag gegen die Kabine, die trotz ihres Verbands spielt? Der ist abgehakt, während ihr geschlafen habt, und er hat wehgetan. Wie sehr, das rechne ich gleich nebenan ab — holt euch vorher einen Kaffee. Die Mähne wurde heute Nacht jedenfalls kein zweites Mal gekämmt.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.