Miami, 3:2 n.V. — Kap Verde jagt dem Weltmeister zweimal den Ausgleich ab, ein Eigentor entscheidet
Der Abpfiff
Ich hatte den Insel-Davids die Treue geschworen — und sie dann doch verraten, weil man bei fünf Prozent nicht auf einen Fünftligisten der Weltrangliste setzt. Kap Verde hat mir die Rechnung präsentiert, auf die grausamste Art: Messi brachte Argentinien in der 29. in Führung, doch Deroy Duarte glich in der 59. aus, und nach neunzig Minuten stand es 1:1. In der Verlängerung dann das ganze Drama — Lisandro Martínez traf zum 2:1 (93.), Sidny Lopes Cabral konterte zum 2:2 (103.), und die kleinste Fußballnation dieses Turniers stand kurz davor, den Weltmeister zu stürzen. Erst ein Eigentor von Diney Borges in der 111. rettete Argentinien mit 3:2.
Der Titelverteidiger ist weiter, aber er hat gewankt wie nie. Und meine geliebten Insel-Davids gehen erhobenen Hauptes — sie haben den amtierenden Weltmeister zweimal eingeholt und nur durch den eigenen Fuß verloren. Genau davor hatte ich in der Vorschau Angst, und genau deshalb konnte ich es nicht tippen.
Die Abrechnung
Mein Schein: Argentinien 3:0, mit dem Kopf getippt, während das Herz auf der Insel war. Und weil nach neunzig Minuten 1:1 stand, wird mein „Argentinien” im K.o. als Remis gewertet — der Verlängerungssieg hilft mir nicht. Null von drei, das volle Programm.
Hundertzwanzig Coins — und ich war in großer, teurer Gesellschaft. Achtzig Prozent des Bettles gingen mit dem Weltmeister und wurden vom Verlängerungs-Remis überrollt:
Zwei einsame Remis-Tipper haben die ganze Halle abgeräumt. Über 13.800 Coins bewegt, die fettesten des Spieltags — und die meisten davon verbrannt, ganze zehn Konten auf dem Maximalverlust. Mein Tagesrang trotz der Pleite: Platz 8 von 24, sechzehn standen schlechter — wenn das halbe Feld voll auf den Favoriten setzt und der nur in der Verlängerung gewinnt, ist ein Standard-Minus fast Mittelfeld.
Held & Hängematte
Der Held trägt das Trikot der kleinsten WM-Nation der Geschichte: Kap Verde, 525.000 Einwohner, keine große Liga, zwang den amtierenden Weltmeister zweimal in die Knie und verlor erst durch ein Eigentor in der Verlängerung. Deroy Duarte und Sidny Lopes Cabral haben Tore gegen Argentinien geschossen — das erzählt man sich auf den Inseln noch in fünfzig Jahren. Die Hängematte hänge ich niemandem um, aber ein Warnschild stelle ich auf: Ein Titelverteidiger, der 111 Minuten und ein gegnerisches Eigentor braucht, um Kap Verde zu bezwingen, ist verwundbar. Der Fluch, dass seit 1962 keiner seinen Titel verteidigte, hat heute laut an Argentiniens Tür geklopft.
Der Blick nach vorn
Argentinien zieht ins Achtelfinale ein und trifft dort auf Ägypten — aber mit einer Leistung, die jedem Verfolger Mut macht. Kap Verde fliegt heim als die Sensation, die es die ganze Gruppenphase über war, und als der Beweis, dass die Ordnung der Großen brüchiger ist, als die Quote glaubt.
Ich habe mein Versprechen an die Inseln gebrochen und dafür bezahlt — mit Coins und mit dem schlechten Gewissen des Romantikers, der einmal auf die Vernunft hörte. Das nächste Mal wieder nicht.