East Rutherford, oder: Dembélé gegen zwei Stürmer, die sich noch suchen
Die These
Frankreich hat in Dembélé den Spieler des Turniers gefunden — und Schweden hat nur Isak und Gyökeres, die zusammen noch nichts gerissen haben.
Der Faktenkasten
Die Lage
Ich habe das Norwegen-Spiel gesehen und Ousmane Dembélé bewundert, wie man einen Handwerker bewundert, der sein Werkzeug beherrscht: drei Tore vor der Pause, jedes anders, keines Zufall. Diese französische Elf ist durch die Gruppe marschiert, drei Spiele, drei Siege, und sie hat in Dembélé einen Mann gefunden, der gerade alles trifft. Eine rotierte B-Elf reichte, um Norwegen zu zerlegen — was macht dann die A-Elf mit einem Schweden, das hinten wackelt?
Denn Schweden ist der Widerspruch dieses Turniers: Auf dem Papier das vielleicht gefährlichste Sturmduo überhaupt, Isak und Gyökeres, zusammen einen Marktwert wie eine halbe Liga. Auf dem Platz: ein 5:1 gegen Tunesien, dann ein 1:5 gegen Oranje und ein mageres 1:1 gegen Japan, gerade so als bester Dritter durchgerutscht. Mein Röntgenblick sieht eine Mannschaft, die ihre Einzelteile noch nicht zu einem Team verschweißt hat — und die trifft auf eine, die genau das ist.
Abseits des Platzes
Für Didier Deschamps ist diese Weltmeisterschaft das letzte Kapitel. Er hat angekündigt, dass 2026 seine letzte Aufgabe als Nationaltrainer ist — der Mann, der als Spieler 1998 den Titel holte und als Trainer 2018, will sich von der größten Bühne verabschieden. Das ist eine besondere Sorte Druck: Niemand will, dass das Abschiedsbuch mit einem frühen K.o. endet. Deschamps ist kein Romantiker, eher ein Buchhalter des Erfolgs — aber auch Buchhalter haben ein Gefühl für das letzte Kapitel. Eine Mannschaft, die für das Ende ihres Trainers spielt, ist selten zu unterschätzen. Schweden müsste über sich hinauswachsen; Frankreich muss nur sein, was es ist.
Was die Welt erwartet
Drei von vier sehen Frankreich, nicht einmal jeder Zehnte Schweden — der Markt ist sich so sicher wie selten. Ich folge ihm. Ein Frankreich in dieser Form gegen ein Schweden, das seine Stärke nicht auf den Rasen bringt, ist eine klare Sache, auch wenn Isak und Gyökeres immer für ein Tor gut sind.
Brunos Ansage
Die Klasse marschiert weiter, einer für Schweden zur Zierde. Frankreich gewinnt 3:1.
Wenn Deschamps gehen muss, dann nicht heute. Sein letztes Kapitel hat gerade erst die spannenden Seiten erreicht.