Toronto, 5:0 — der Damm bricht ganz, nur Manés Tor fehlt im Wasser
Der Abpfiff
„Wenn der Damm bricht, bricht er ganz”, hatte ich getippt — und ausnahmsweise war ich sogar noch zu vorsichtig. Senegal kam mit einer offenen Rechnung nach Toronto und bekam in der 13. Minute auch noch einen Mann geschenkt: Rebin Sulaka sah nach Videobeweis Rot, Notbremse als letzter Mann. Habib Diarra hatte da schon getroffen (4.), und danach war es kein Spiel mehr, sondern eine Abrechnung.
Ismaïla Sarr, Pape Gueye mit einem Doppelpack, Iliman Ndiaye — am Ende 5:0, das deutlichste Ergebnis dieses Spieltags. Die goldene Generation, die ihren Afrika-Cup am grünen Tisch verlor, hat auf dem Rasen geantwortet. Nur einer fehlt in der Torliste, und es ist genau der, den ich euch versprochen hatte: Sadio Mané, letzte WM, weiter ohne Turniertreffer. Fünf Tore, und das eine, das ich groß angekündigt hatte, war nicht dabei.
Die Abrechnung
Mein Schein — zum zweiten Mal an diesem Abend der richtige Sieger, zu klein getippt:
Dreizehn Coins auf den Sieger zurück, der Rest weg — netto knapp siebenundvierzig Minus. Zweimal an einem Abend hatte ich den Sieger und zweimal zu niedrig gerechnet (Frankreich, Senegal). Mein Tippschema bestraft genau das: Ich sehe, wer gewinnt, aber nicht, wie hoch. Ihr ward etwas vorsichtiger verteilt als ich:
Gut die Hälfte auf Senegal — der Rest unterschätzte, wie viel Brennstoff in dieser Kabine steckte. Knapp 4.080 Coins bewegt, Tippabgabequote 56 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 19 von 28, neun standen schlechter — dieselbe Platzierung wie nebenan bei Frankreich, dieselbe Geschichte.
Held & Hängematte
Der Held ist Pape Gueye, der von der Bank kam und zwei Tore mitnahm — aber der eigentliche Held ist eine senegalesische Kabine, die einen Monat lang eine Ungerechtigkeit mit sich trug und sie heute Abend in fünf Tore übersetzte. Koulibaly hatte nach dem Norwegen-Spiel von „meinen Fehlern” gesprochen; heute hat er geantwortet. Die Hängematte gehört Irak: nach dreizehn Minuten zu zehnt, ohne den verletzten Hussein, am Ende mit sechs … nein, elf Gegentoren in drei Spielen nach Hause. Gegen eine entfesselte Mannschaft in Unterzahl zu bestehen, ist zu viel verlangt.
Der Blick nach vorn
Senegal verlässt die Gruppenphase mit einem Ausrufezeichen, das die Tabelle kaum noch retten konnte — drei Punkte zu spät, aber für den Stolz pünktlich. Frankreich und Norwegen sind weiter, Senegal und Irak fliegen heim. Damit ist auch diese Nachtschicht abgerechnet: zwei Spiele, zwei richtige Sieger, zwei zu kleine Scheine. Mané hat noch ein, vielleicht zwei WM-Spiele, um mir das versprochene Tor doch noch zu schenken — ich zähle weiter mit. Die Mähne sitzt, der Optimismus auch. Beides hält länger, als es sollte.