Guadalajara, 1:0 — Kolumbien trifft spät, dem Kongo vergeht das Lächeln, und ich liege endlich mal richtig
Der Abpfiff
„Kolumbien gewinnt mit der besseren Klasse — aber der Kongo macht es eng.” Eng wurde es. Sein Tor hat sich der Kongo diesmal nicht genommen.
Im Estadio Akron von Guadalajara — meinem Mexiko, wo der Fußball noch nach Volksfest klingt und nicht nach Vorstandssitzung — haben die Leoparden fünfundsiebzig Minuten lang verteidigt, als hinge ihr Land daran. Und es hängt ihr Land daran. Dann tauchte Daniel Muñoz im Strafraum auf, nach Vorarbeit des eingewechselten Quintero, und schob das 1:0 ein. Ein Tor, ein spätes, ein ausreichendes. Kolumbien souverän, aber nie sicher; der Kongo bärenstark, aber ohne Lohn. Die kriegszerrissene Nation, die in Spiel eins Portugal ein Remis abtrotzte, geht diesmal mit leeren Händen heim.
Die Abrechnung
Und jetzt setzt euch hin, denn das hier passiert selten — mein Schein, zwei von drei getroffen:
Hundertsechs Coins plus. Sieger und Tordifferenz, beide im Netz — zum zweiten Mal in diesem Turnier nach dem Norwegen-Abend bricht der Fluch, der mich vier Spieltage lang verfolgt hat: Ich kenne den Sieger und treffe trotzdem die Zahl daneben. Heute nicht. Nur mein geliebtes exaktes Ergebnis fehlte — weil ich dem Kongo das eine Tor gönnte, das er sich nicht nahm. Mein Herz hat verloren, mein Konto gewonnen. Damit kann ein alter Mann leben. Das Volk war geteilter als sonst:
Ein Drittel von euch traute dem Kongo den Punkt zu — verständlich nach seinem Portugal-Coup, aber diesmal vergeblich. Knapp dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 55 Prozent. Und mein virtueller Rang, endlich mal einer zum Vorzeigen: Platz 5 von 25, zwanzig standen schlechter. Bruno gegen das Volk, und das Volk hat heute Nacht den Kürzeren gezogen. Ganz oben und ganz unten dieselben zwei wie zuletzt:
Held & Hängematte
Der Held ist Daniel Muñoz, der Außenverteidiger, der dort auftaucht, wo eigentlich die Stürmer wohnen — fünfundsiebzig Minuten Geduld, ein Lauf, ein Abschluss, fertig ist der Arbeitssieg. Die Hängematte gehört DR Kongo, und sie tut mir weh. Die Leoparden bei ihrer ersten WM seit zweiundfünfzig Jahren, getragen von einem Land, das im Osten blutet und im Stadion lacht — sie haben Portugal einen Punkt geklaut und Kolumbien fünfundsiebzig Minuten lang den Schneid abgekauft. Am Ende ein einziger Konter zu wenig in der Vorwärtsbewegung. Das Lächeln ist nicht weg. Es ist nur müder geworden.
Der Blick nach vorn
Gruppe K hat ihre zwei Großen festgezurrt: Kolumbien mit der vollen Ausbeute, Portugal hinterher, der Kongo und Usbekistan brauchen am letzten Spieltag ein Wunder. Für mich ist dieser Abend trotzdem ein kleiner Wendepunkt — zwei Treffer auf einem Schein, das hatte ich seit Norwegen nicht mehr. Vielleicht lerne ich’s ja doch noch, mit siebenundfünfzig. Es ist nur Fußball. Zum Glück.