Toronto, 0:1 — Budimir erlöst Kroatien von der Bank, Modrić darf noch ein bisschen bleiben
Der Abpfiff
„Die goldene Generation darf sich keinen zweiten Ausrutscher leisten und spielt das auch so ab.” Den Ausrutscher haben sie vermieden. Das souveräne Abspielen blieb Theorie.
Im BMO Field von Toronto — und es tut gut, eine WM-Nacht mal in einem Land zu verbringen, das niemanden an der Grenze abweist — hat Kroatien neunzig Minuten lang gegen Panamas tiefen Block angerannt und erst in der 54. die Tür gefunden. Ante Budimir, kaum acht Minuten auf dem Platz, drückt eine Stanišić-Hereingabe über die Linie. Das eine Tor, das Modrić und Co. brauchten, kam von der Bank — der vierzigjährige Kapitän durfte ab der 81. selbst noch ein paar Minuten Geschichte schnuppern. 1:0, mehr war nicht nötig, mehr war auch nicht drin.
Die Abrechnung
Mein Schein — der Sieger ja, die Höhe schon wieder nein:
Knapp fünfunddreißig Coins Minus, und das alte Lied bleibt: Wer den Sieger kennt, kennt noch lange nicht das Ergebnis. Ich hatte Kroatien zwei Tore zugetraut, sie schafften eins — und gegen einen Block wie Panamas ist ein Tor manchmal schon der ganze Sieg. Das Volk lag mit mir richtig, fast geschlossen:
Knapp viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 57 Prozent — die Nachtschicht ist treuer als ihr Ruf. Mein Rang: Platz 18 von 26, acht standen schlechter. Einer von ihnen, mal wieder, ist Muri.
Held & Hängematte
Der Held ist Ante Budimir, der Mann für die undankbare Rolle: rein, treffen, das Spiel entscheiden, kaum jemand merkt sich den Namen. So einen braucht jeder Kader, der etwas vorhat — den, der das tut, was die Stars nicht hinbekommen. Die Hängematte gehört Panama. Zwei Spiele, zwei Mal 0:1, kein eigenes Tor, ausgeschieden. Sie haben verteidigt, bis die Beine schwer wurden, und am Ende fehlte das, was am schwersten zu lernen ist: das eigene Tor. Mit Haltung verloren, aber verloren.
Der Blick nach vorn
Gruppe L bleibt eng: Kroatien hat drei Punkte und das bessere Gefühl, Panama ist raus. Am letzten Spieltag trifft Kroatien auf Ghana — Modrićs Generation gegen Queiroz’ Mauer, das könnte das zäheste, schönste Geduldsspiel der Vorrunde werden. Zwei Mannschaften, die ein einziges Tor pro Abend für reichlich halten. Auf so ein Spiel trinke ich sogar das zweite Bier.