Kansas City, 2:0: Der Weltmeister wie bestellt — und Brunos kühler Kopf behält recht
Der Abpfiff
„Argentinien gewinnt den Gipfel souverän” — das war meine These, und souveräner als mit einem 2:0 gegen einen Rangnick-Kader kann man kaum gewinnen. Der Weltmeister hat Österreich keine Lücke gelassen, die eingespielte Maschine lief, und das eingespielte Bein steht jetzt fest im Achtelfinale. Genau das Spiel, das ich mit kühlem Kopf statt mit dickem Anschlag getippt hatte — und ausnahmsweise belohnt der Fußball den nüchternen Bruno.
Die zwei österreichischen Oldies, Alaba und Arnautović, denen ich diesen Abend von Herzen gegönnt hatte, blieben ohne Happy End; gegen diese Klasse reichte die reife Kabine für Respekt, nicht für Punkte, wie angekündigt. Und der Fluch des Titelverteidigers, den ich mitzähle, ohne dagegen zu wetten? Schläft weiter. Seit Brasilien 1962 hat keiner verteidigt — dieser Abend war für Argentinien kein Stolperstein, sondern ein Ausrufezeichen.
Die Abrechnung
Mein Schein — und diesmal blieb keine Zeile offen:
Alle drei sitzen — sauber durchgezogen, genau wie mit kühlem Kopf angesagt. Und die Pointe, die mir der Vorabend-Bruno nicht verzeihen wird: Hätte ich hier doch den großen Anschlag gewagt, wäre es ein Coup für die Ewigkeit geworden. So bleibt es ein sauberer, kühler Standardgewinn — Disziplin zahlt sich aus, nur eben in Maßen. Ihr lagt mehrheitlich mit mir auf den Weltmeister:
Knapp zwei von drei sahen Argentinien, ein knappes Drittel traute Österreich das Remis zu. Gut viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 59 Prozent. Im Duell „Bruno gegen das Volk” war das — nach der Davids-Nacht von gestern, in der ich mit dem Feld danebenlag — der Abend, den ich brauchte: kein Spektakel, aber sauber auf der richtigen Seite.
Held & Hängematte
Der Held ist eine eingespielte Maschine. Scaloni hat das Katar-Gerüst bewusst zusammengehalten, und genau diese blind aufeinander eingespielte Mannschaft ließ Österreich keine Lücke — der Weltmeister gewinnt nicht mit Glanz, sondern mit der Selbstverständlichkeit dessen, der weiß, was er kann. Die Hängematte hängt in der österreichischen Hoffnung. Rangnicks Projekt ist reif und unbequem, aber gegen diese Klasse fehlte das Mittel nach vorn. Für Alaba und Arnautović, die mit einem Bein im Ruhestand ihre erste WM erleben, bleibt das letzte Gruppenspiel, um die Geschichte noch zu drehen.
Der Blick nach vorn
Gruppe J liegt klar: Argentinien mit sechs Punkten so gut wie durch, Österreich braucht jetzt Schützenhilfe, Jordanien und Algerien spielen nebenan um den Anschluss. Und ich? Verbuche einen makellosen Schein und die kleine Reue, ihn nicht zum großen Anschlag gemacht zu haben. Der Fluch des Titelverteidigers bleibt auf meiner Liste — lautlos, geduldig. Bei Argentinien wie bei mir zählt am Ende, wer im richtigen Moment die dicke Kelle auspackt.
Es ist nur Fußball. Zum Glück.