0:0: Die kleinste Nation der WM-Geschichte holt einen Punkt im Azteca-Format
Der Abpfiff
Ich habe in der Vorschau einen Satz geschrieben, der mir jetzt um die Ohren fliegt: „Alles andere als ein klarer Ecuador-Sieg wäre die Überraschung des Turniers.” Da habt ihr sie, die Überraschung. Curaçao, die kleinste Nation, die je eine WM erreicht hat — eine Karibikinsel mit gut 150.000 Einwohnern, kleiner als manche Stadt, die hier ein Stadion stellt — hat den haushohen Favoriten Ecuador zu null gehalten. 0:0. Ein Punkt für die Winzlinge, ein Schock für die Großen, und ein verglühter Schein für einen alten Mann, der es besser zu wissen glaubte.
Ecuador, von vier Fünfteln aller Tipper und auch von mir als sicherer Sieger gehandelt, rannte sich an einer Inselmauer fest. Müssen statt wollen, hatte ich geschrieben — und genau dieser Druck lähmte die Südamerikaner, während Curaçao verteidigte, als hinge das halbe Leben der Insel daran. Vielleicht tat es das.
Die Abrechnung
Mein Schein. Drei Häkchen, drei Kreuze — der komplette Reinfall:
Hundertzwanzig Coins, einmal komplett — der Tag nach dem Gold-Abend schickt die Rechnung. Und ihr? Seid mehrheitlich mit mir baden gegangen:
Zwei von drei sahen den Ecuador-Sieg, nur vier Tippende rochen das Remis — und genau die räumten ab. Knapp dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 58 Prozent. „Bruno gegen das Volk”: Rang 19 von 25 — der Schock traf fast alle, auch mich.
Held & Hängematte
Der Held ist eine ganze Insel. Curaçao hat in der Vorschau ein 1:7 gegen Deutschland kassiert und stand als kleinster Gast der WM-Geschichte da; heute hat dieselbe Mannschaft dem zweifachen Klassengegner einen Punkt abgetrotzt, mit einer Abwehrleistung, die ich keinem Marktwert der Welt eintausche. Ich hatte versprochen, aufzustehen und zu klatschen, sollte Curaçao ein Tor schießen. Sie schossen keins — und holten trotzdem mehr, einen Punkt. Ich stehe trotzdem. Die Hängematte hängt in Ecuadors Sturm. Ein Favorit, der weiß, dass er gewinnen muss, und genau daran erstickt — die robustere Physis, die bessere Liga, alles da, nur kein Tor. Müssen ist eben kein Können.
Der Blick nach vorn
Gruppe E ist auf einmal eine Geschichte wert: Deutschland enteilt, aber dahinter hat Curaçao mit einem einzigen Punkt die Statik verschoben — die Elfenbeinküste und Ecuador müssen jetzt zittern. Ich nehme die bitterste Lehre des Turniers mit: Wer das Wort „Überraschung des Turniers” in den Mund nimmt, sollte nicht dagegen wetten. Mein Schein ist weg, mein Respekt für die Kleinen größer denn je. Manche Punkte wiegen schwerer als mancher Sieg — und manche Niederlagen im Tippfeld klatscht man sich selbst weg.