Portugal – DR Kongo: Ronaldos Bühne, aber Kongos Abend
Die These
Portugal gewinnt souverän — aber die Geschichte des Abends gehört dem Kongo, der nach 52 Jahren zurück ist und ein Land zum Lächeln bringt, das wenig zu lachen hat.
Der Faktenkasten
Die Lage
Sportlich ist die Sache schnell erzählt: Portugal hat den tieferen Kader, die größere Klasse und in Ronaldo die Galionsfigur, die bei aller Wahrscheinlichkeit ihre letzte WM eröffnet. Drei von vier sehen darum die Selecção, und die Form gibt ihnen recht, auch wenn das meiste davon Testspielware war. Mein Röntgenblick findet hier wenig Riss — eher die Frage, ob ein Favorit, der weiß, dass er gewinnen muss, sich selbst im Weg steht.
Der Kongo reist mit einer Vorbereitung an, die kein Drehbuchautor erfinden würde: Das letzte Testspiel gegen Chile musste wegen eines Ebola-Ausbruchs nach Frankreich verlegt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt werden. Trotzdem stehen da Männer mit Premier-League-Erfahrung — Wissa, Wan-Bissaka, Mbemba —, ein Haufen, der ausgerechnet als allerletztes der 48 Teams den Sprung schaffte, im Playoff, in der Verlängerung. Wer so kommt, hat nichts zu verlieren. Das macht ihn nicht zum Favoriten. Aber zum unangenehmsten Außenseiter, den man sich zum Auftakt wünschen kann.
Abseits des Platzes
Lasst mich kurz vom Tippen weg, das hier ist größer. Die Demokratische Republik Kongo ist zum ersten Mal seit zweiundfünfzig Jahren wieder bei einer WM — damals, 1974, noch als Zaire, die erste Mannschaft Subsahara-Afrikas überhaupt auf dieser Bühne. In einem Land, das seit Jahren von Krieg zerrissen wird, war diese Qualifikation ein Moment, der das Unmögliche tat: Sogar ein Sprecher der M23-Rebellen nannte es „eine Freude”. In Goma, mitten im Brennpunkt, sagten Fans, es sei lange her gewesen, dass man gelächelt habe — heute sei man glücklich. Wenn euch noch einmal jemand erzählt, Fußball und Politik hätten nichts miteinander zu tun, schickt ihn nach Goma. Ein Spiel, das eine Nation für neunzig Minuten zusammenhält, die sich sonst zerlegt — dafür ist dieser Sport gemacht, nicht für clean venues und Sponsorenlogen.
Was die Welt erwartet
Drei von vier tippen Portugal, dem Kongo traut kaum einer mehr als eines von zehn zu. Die Quote hat recht mit dem Sieger. Sie sagt nur nichts darüber, wer den Abend gewinnt.
Brunos Ansage
Portugal gewinnt 3:1. Die Klasse setzt sich durch — aber die Leoparden schießen ein Tor, das in Kinshasa gefeiert wird wie ein Titel. Meine drei Häkchen, Standardpensum:
Ich tippe auf Portugal und hoffe auf den Kongo. Das ist kein Widerspruch, das ist Fußballromantik mit Restverstand.