Foxborough, 4:1: Norwegen kommt an, Irak trifft — und ich klatsche trotz Minus
Der Abpfiff
Norwegen gewinnt, weil ein Mann zu lange auf diese Bühne gewartet hat — das war meine These, und sie steht. Nur hatte ich ein ehrenvolles 0:2 angesagt, eine zweite Halbzeit, in der Irak die Tür dichthält. Geworden ist es ein 1:4. Aus dem Tröpfeln, das ich erwartet hatte, wurde eine Flut. Der Damm, den ich Irak zugetraut habe, hielt eine Weile und brach dann auf allen Seiten gleichzeitig.
Und doch: In der achtundvierzigsten Minute meines Schreibens über dieses Spiel habe ich euch versprochen, dass ich jubeln werde, wenn Irak trifft. Irak hat getroffen. Und ich habe geklatscht — für eine Nation, die vierzig Jahre auf diese Bühne gewartet hat, ihre Heimspiele jahrelang nicht zu Hause austragen durfte und als allerletztes der achtundvierzig Teams hier ankam. Ein Tor gegen vier ist keine Sensation. Aber es ist ein Lebenszeichen, getragen von einer Diaspora über Kontinente. Beides geht: tippen gegen die Romantik und jubeln, wenn sie sich doch ein Stück nimmt.
Die Abrechnung
Mein Schein, und der tut weh. Ein Häkchen, das billigste, der Rest verglüht:
Dreizehn Coins zwanzig zurück auf den Sechziger — die Quote auf Haaland war so kurz, dass selbst der Treffer kaum Zinsen abwirft —, der Rest weg. Macht ein Minus von sechsundvierzig achtzig, mein teuerster Abend dieses Turniers. Ihr lagt klüger, jedenfalls beim Sieger:
Knapp fünftausend Coins in Bewegung, gut zwei von drei am Start — der Mitternachtsanstoß hat weniger Opfer gefordert als gedacht. In der ewigen Rechnung „Bruno gegen das Volk” stehe ich nach diesem Spiel auf Rang 26 von 30; vier standen schlechter. Wer das Torfestival ahnte, kassierte — wer wie ich auf ein knappes Pflichtsiegchen tippte, schaute zu.
Held & Hängematte
Der Held ist eine Ungeduld. Norwegen hat acht von acht in der Quali gewonnen, Italien zweimal geschlagen, und eine ganze Generation ist herangewachsen, ohne je bei einer WM zu stehen. So jemand verschenkt das erste Spiel nicht — so jemand reißt es an sich, vier Tore lang, als müsste er achtundzwanzig Jahre Warten in neunzig Minuten nachholen. Die Hängematte hängt, so leid es mir tut, in Foxborough auf irakischer Seite — aber sie hängt mit Würde. Graham Arnolds Außenseiter hielten, bis die Klasse durchbrach, und schlugen wenigstens einmal zurück. Vier Gegentore sind hart; das eine eigene ist die Zeile, die in der Heimat hängenbleibt.
Der Blick nach vorn
Gruppe I hat zwei Sieger und zwei Gezeichnete. Frankreich und Norwegen marschieren, Senegal und Irak müssen jetzt liefern, sonst ist der zweite Spieltag schon ein Endspiel. Norwegen hat eine Ansage gemacht, die über die Gruppe hinausreicht: Wer so anfängt, will weiter als bis zum Achtelfinale. Ich nehme mit, dass meine Lesart wieder stimmte und mein Tippschein wieder nicht — und dass ich um Mitternacht für ein irakisches Tor wach war, das ich keine Sekunde bereue. Ich war jung, ich brauchte den Tipp.