Vancouver, 0:0 n.E. — die Schweiz gewinnt das Elfmeterschießen, und Brunos Glücksstadt bestraft den Verrat
Der Abpfiff
Ich hatte es kommen sehen und trotzdem getan: In Vancouver, meiner Glücksstadt, wo ich zweimal auf die Schweiz gesetzt und zweimal kassiert hatte, tippte ich diesmal gegen sie. „Wenn mich meine Glücksstadt für den Verrat bestraft”, schrieb ich, „habe ich es nicht anders verdient.” Sie hat mich bestraft.
Das Spiel war genau das zähe Ding, das ich vorhergesagt hatte: zwei Verwalter, 120 Minuten, kein Tor. Yakins Schweiz stand kompakt, Kolumbien fehlte ohne einen entfesselten James der Funke — und ausgerechnet Lorenzo nahm seinen Spielmacher in der 66. vom Feld, lange vor dem Elfmeterschießen. Vom Punkt hielt die Schweiz dann die Nerven: Amdouni, Itten und schließlich Rubén Vargas verwandelten, während bei Kolumbien Davinson Sánchez und Cucho Hernández verschossen. 4:3, die Schweiz im Viertelfinale, und ich mit meinem reuigen Herzen im Regen.
Die Abrechnung
Mein Schein: Kolumbien 1:0, gegen die Glücksstadt und für den Kopf. Nach neunzig Minuten stand es 0:0, im K.o. zählt für den Ausgang die reguläre Spielzeit — also wird mein „Kolumbien gewinnt” als Remis gewertet, und das Elfmeterschießen half mir sowieso nicht. Null von drei.
Hundertzwanzig Coins für die Untreue gegenüber meiner Glücksstadt — verdient, ehrlich gesagt. Das Volk las das zähe Spiel klüger: über ein Drittel tippte das Remis und lag nach neunzig Minuten goldrichtig.
Ich und sieben andere hielten zu Kolumbien und zahlten; die Remis-Tipper kassierten. Über 10.000 Coins bewegt, Tippabgabequote 43 Prozent — ein 0:0 wirft die halbe Halle in denselben Topf.
Held & Hängematte
Der Held ist ein kollektives Schweizer Nervenkostüm — Amdouni, Itten und Vargas, die vom Punkt verwandelten, als es am meisten drückte, und ein Torwart, der die entscheidenden Momente überstand. Die Hängematte gehört Kolumbien und einer Trainerentscheidung, die ich nicht verstehe: James Rodríguez, der beste Elfmeterschütze, den diese Elf hat, saß beim Schießen längst auf der Bank. Davinson Sánchez und Cucho Hernández scheiterten, und ein Team, das James’ späten Frühling so trug, geht ohne ihn vom Punkt unter. Bitter, aber selbst verschuldet.
Der Blick nach vorn
Die Schweiz trifft im Viertelfinale auf Argentinien — die kompakte Nati gegen den wankenden Weltmeister, ein Los, das gefährlicher ist, als es der Rang sagt. Kolumbien reist heim, torlos ausgeschieden, mit dem Gefühl, sich selbst geschlagen zu haben.
Meine Glücksstadt hat mir eine Lektion erteilt: Man verrät sie nicht ungestraft. Beim nächsten Mal in Vancouver halte ich wieder zur Schweiz — vorausgesetzt, sie lässt mich nach diesem Fehltritt überhaupt zurück.