Atlanta, 3:2 — Ägypten führt gegen den Weltmeister 2:0, dann steht Messi auf
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben, der Weltmeister sah gegen Kap Verde sterblich aus — und Ägypten hat es genau gesehen. Yasser Ibrahim köpfte in der 15. das 0:1, und als Messi in der 21. auch noch einen Elfmeter verschoss, roch es nach der Sensation des Turniers. Mostafa Mohamed erhöhte in der 67. auf 0:2, die Pharaonen zwei Tore vor dem Titelverteidiger — und mein neunprozentiger Außenseiter, den ich nicht zu tippen wagte, stand kurz vor dem größten Coup.
Dann stand Messi auf. Erst legte er Cristian Romero das 1:2 auf (79.), dann traf er selbst zum 2:2 (83.), und in der 90. köpfte Enzo Fernández das 3:2 — der Weltmeister gerettet, wieder in letzter Sekunde, wieder mit dem Herzen in der Hose. Ägypten geht als tragischer Held, und eine leise Rechnung schließt sich: Salah, den ich seit Wochen auf sein Tor aus dem Spiel warten sehe, traf auch heute nicht. Zwei ägyptische Tore, keines von ihm. Seine Weltmeisterschaft endet wie Manés — kämpferisch, kollektiv, und für ihn persönlich ohne den einen offenen Treffer.
Die Abrechnung
Argentinien 2:1, hatte ich getippt — und diesmal saß fast alles: der Sieger und die knappe Tordifferenz, denn 3:2 ist ein Ein-Tor-Sieg. Die Höhe, die mir das halbe K.o. durch die Finger gegangen war, kam endlich an; nur das genaue Ergebnis fehlte.
Das Volk ging fast geschlossen mit dem Weltmeister — und atmete am Ende doch schwer:
Fast drei von vier auf Argentinien — richtig, aber es war ein Zittern bis zur 90. Über 15.800 Coins bewegt, Tippabgabequote 46 Prozent.
Held & Hängematte
Der Held ist Lionel Messi, und zwar auf die schwierigste Art: erst der verschossene Elfmeter, der ihn zum Sündenbock hätte machen können, dann die Vorlage, das eigene Tor und die Ruhe, die einen 0:2-Rückstand in einen Sieg verwandelt. Enzo Fernández setzte den Kopfball drauf, aber die Nerven gehörten dem Kapitän. Die Hängematte verweigere ich Ägypten mit Nachdruck: Wer den amtierenden Weltmeister 75 Minuten lang am Rand des Ausscheidens hält, geht nicht als Verlierer. Für Salah bleibt die bittere Bilanz: im K.o. nie das eine Tor aus dem Spiel, das ein Duell entscheidet — eine der leiseren Tragödien dieses Sommers.
Der Blick nach vorn
Argentinien zieht ins Viertelfinale ein und trifft dort auf die Schweiz — aber mit einer Leistung, die den Fluch des Titelverteidigers wieder laut klopfen ließ. Zum zweiten Mal nach Kap Verde brauchte der Weltmeister einen späten Treffer, um weiterzukommen; wer so wackelt, ist zu schlagen. Ägypten reist heim, unter dem lautesten Applaus, den ein Verlierer verdient.
Endlich mal ein Abend, an dem der Kopf zahlt — Sieger und Höhe getroffen, das gab es lange nicht. Und trotzdem denke ich an Salah, der mit leeren Händen geht. Manche Rechnungen begleicht der Fußball einfach nicht.