Dallas, oder: Ronaldos letztes Kapitel gegen Spaniens Zukunft
Die These
Ronaldos letztes Kapitel trifft auf Spaniens Zukunft — und diesmal gewinnt die Klasse gegen die Romantik.
Der Faktenkasten
Die Lage
Ich habe Portugal gegen Kroatien getippt und dafür meinen fetten Perfektschein kassiert — heute wird es schwerer, denn Spanien ist kein alternder Modrić-Klub, Spanien ist die Zukunft. Yamal, achtzehn, das größte Talent seit einer Generation; Pedri, der das Spiel verlangsamt und beschleunigt, wie es ihm passt; Rodri im Zentrum. Ein Kader ganz ohne Real-Madrid-Spieler, dafür mit einem Barça-Herzen, das als Europameister genau weiß, wie man Turniere gewinnt.
Mein Röntgenblick sieht auf der anderen Seite eine Mannschaft, die von einem einzigen Willen zusammengehalten wird: Ronaldo, einundvierzig, sechste WM, und der ausgesprochene Wunsch, dieses eine fehlende Ding noch zu holen. Das ist eine mächtige Kraft — aber es ist auch die Kraft eines Teams, das um seinen Kapitän herumgebaut ist statt um ein System. Gegen Spaniens Pressing können müde Beine schnell alt aussehen. Die Romantik sagt: noch ein Wunder. Der Kopf sagt: nicht gegen diese Spanier.
Abseits des Platzes
Es ist der Abschied, der über allem liegt. Ronaldo hat gesagt, das sei „definitiv” seine letzte WM — mit einundvierzig, als ältester Spieler, der je in einem WM-K.o.-Spiel stand und dort traf. Ihm fehlt nur dieser eine Titel, und ihm läuft die Zeit davon. Auf der anderen Seite steht Lamine Yamal, achtzehn, der schon mit siebzehn Europameister wurde und den sie mit Pelé vergleichen. Zwei Enden derselben Geschichte auf einem Rasen: der, der nicht loslassen will, und der, der gerade erst anfängt. Ich mag beide, und ich weiß, dass der Fußball für Sentimentalität keine Extrapunkte vergibt.
Was die Welt erwartet
Knapp jeder Zweite sieht Spanien, nur ein Viertel Portugal — und trotzdem hat der Markt ein kurzes Gedächtnis. Vor dreizehn Monaten, im Nations-League-Finale, schlug genau dieses Portugal genau dieses Spanien, 5:3 vom Punkt nach einem 2:2. Wer Spanien mit 49 Prozent führt, blendet das aus. Ich blende es nicht aus — ich tippe Spanien trotzdem, weil ein K.o.-Spiel im Turnierrhythmus etwas anderes ist als ein Finale nach langer Saison.
Brunos Ansage
Die Zukunft schlägt die Vergangenheit, aber der Alte trifft noch einmal. Spanien gewinnt 3:1.
Wenn Ronaldo mich eines Besseren belehrt und Portugal weiterzieht, ist das der einzige Fehltipp, den ich mit einem Grinsen zahle. Manche Legenden darf man gern verlieren sehen — als Wette, nicht als Fan.