Philadelphia, 0:1 — Paraguays Bus hält fast, ein Mbappé-Elfmeter reicht Frankreich
Der Abpfiff
Ich hatte Paraguay den besten Bus des Turniers genannt — und dieser Bus hätte fast gehalten. Neunzig Minuten lang bekam Frankreich, der Favorit mit Dembélé und Mbappé, aus dem Spiel heraus so gut wie nichts zustande; Alfaros Beton-Elf stand tief, stur und diszipliniert, genau wie sie gegen Deutschland gestanden hatte. Nur einmal brach die Mauer, und auch das nicht im Spiel: In der 70. gab es Elfmeter, Kylian Mbappé trat an und verwandelte zum 0:1. Das war der ganze Unterschied.
Mein Röntgenblick hatte beides richtig gesehen — Frankreichs Klasse und Paraguays Sturheit. Ich hatte in der Vorschau geschrieben, wenn Paraguay das Ding ins Elfmeterschießen schleppt, ziehe ich meinen Hut. Ganz so weit kam es nicht, aber den Hut ziehe ich trotzdem: Diese Paraguayer haben den Turnierfavoriten auf einen einzigen Strafstoß reduziert. Frankreich ist weiter, Deschamps’ Abschiedsmission läuft — aber souverän sah anders aus.
Die Abrechnung
Frankreich 2:0, hatte ich getippt — den Sieger richtig, aber die Höhe verschätzt: Paraguays Bus ließ nur den einen Elfmeter zu, aus meinem 2:0 wurde ein zähes 1:0. Der Endstand-Tipp saß, der Rest nicht.
Knapp fünfzig Coins Minus für einen glasklaren Sieger — die zu hohe Höhe fraß den schmalen Favoriten-Ertrag. Das Volk war sich fast einig:
Vier von fünf auf Frankreich, kein Mensch auf Paraguay — der Markt bekam den Sieger, aber die drei Remis-Tipper waren dem zähen Bus näher, als ihnen lieb war. Über 15.400 Coins bewegt, die fettesten des Spieltags, Tippabgabequote 48 Prozent. Wenn der Sieger so eindeutig ist, trennt am Ende nur die Höhe — und die ließ mich in der breiten Mitte hängen, bei allen, die Frankreich hatten und die zwei Tore nicht.
Held & Hängematte
Der Held ist an diesem Abend kein Franzose, sondern eine ganze paraguayische Hintermannschaft: Alfaros Elf hat den Turnierfavoriten neunzig Minuten lang aus dem Spiel heraus zu null gehalten und ist nur an einem Strafstoß gescheitert. Kapitän Gustavo Gómez und seine Leute gehen erhobenen Hauptes. Die Hängematte — mit einem Augenzwinkern — hängt über einer französischen Offensive, die mit Dembélé und Mbappé auflief und trotzdem nur vom Punkt traf. Souverän weiterkommen sieht anders aus; die Équipe muss zulegen.
Der Blick nach vorn
Frankreich trifft im Viertelfinale auf Marokko — die Neuauflage des Katar-Halbfinals 2022, Deschamps’ letzte Mission gegen meinen Liebling. Ein Spiel, auf das ich mich schon jetzt zerrissen freue. Paraguay reist heim als die Mannschaft, die dem Favoriten am nächsten kam, ohne ihn zu Fall zu bringen — der beste Bus des Turniers, geschlagen von einem einzigen Pfiff.
Ich hatte den Sieger und verliere trotzdem, weil der Bus länger hielt, als mein Zettel es zuließ. Für einmal war mir der Verlierer die größere Freude.