Houston, 0:0 — Kap Verde zieht ins Achtelfinale ein, und mein Herz feiert, während mein Konto blutet
Der Abpfiff
„Das Diaspora-Modell schlägt das Petrodollar-Modell”, hatte ich geschrieben, „Kap Verde zieht ins Achtelfinale ein.” Das stimmte — nur nicht so, wie ich gewettet hatte. Es wurde kein 1:0, es wurde ein zähes, verbissenes 0:0, in dem die Blue Sharks nicht gewannen, sondern verwalteten. Und weil Spanien parallel Uruguay schlug, reichte genau dieser eine Punkt: Kap Verde, 529.000 Menschen auf zehn Inseln, steht im Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. Beim ersten Anlauf der Geschichte.
Ich hatte auf den Sieg getippt, weil ich dachte, sie bräuchten ihn. Sie brauchten ihn nicht. Sie brauchten Disziplin, und die hatten sie: Vozinha hielt hinten zusammen, die Abwehr ließ nichts zu, und Saudi-Arabien — sechs Milliarden Dollar Sportbudget, fünfundzwanzig Spieler aus der eigenen Liga — fand kein Mittel. Der Inselstaat ohne Profiliga geht weiter, der Petrostaat fährt heim. Manchmal ist das Modell wichtiger als das Geld. Ich hab’s geschrieben. Ich hab’s nur falsch betippt.
Die Abrechnung
Mein Schein — drei Kreuze, und trotzdem grinse ich:
Hundertzwanzig Coins weg, null von drei — die Insel-Davids sind und bleiben meine Achillesferse: Ich bewundere sie in der Vorschau, tippe ihnen den Sieg und übersehe, dass sie ihr Wunder lieber durch Standhalten holen als durch Toreschießen. Schon gegen Spanien hielten sie die Null, jetzt wieder. Ihr habt es klüger gelesen:
Die Hälfte von euch hatte das Unentschieden — das Volk traute der Mauer mehr als dem Sturm. Knapp 3.480 Coins bewegt, Tippabgabequote 50 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 18 von 25, sieben standen schlechter.
Held & Hängematte
Der Held ist eine ganze Insel: Kap Verde, FIFA-Rang dreiundsechzig, ohne heimische Liga, mit einer Mannschaft aus den Akademien Hollands und Portugals zusammengetragen — und im Achtelfinale einer WM. Vozinha hielt die Null, die Abwehr stand wie der Atlantik-Wind sie geformt hat. Das ist die Sorte Geschichte, die man einmal sieht und dann aufschreibt. Die Hängematte gehört Saudi-Arabien: alles Geld der Welt, keine Antwort auf dem Platz, minus vier Tore und der Heimflug. Würde im Gepäck, kein Punkt mehr als nötig.
Der Blick nach vorn
Spanien führt Gruppe H an, Kap Verde folgt als Sensation auf Platz zwei, Uruguay und Saudi-Arabien sind raus. Die Insel-Davids, die mich dieses Turnier schon dreimal Coins gekostet haben, haben mir heute den schönsten Verlust meines Lebens beschert — ich nehme ihn mit Handkuss. In der K.o.-Runde tippe ich sie wieder, und vermutlich wieder falsch. Egal. Manche Mannschaften gewinnt man im Herzen, auch wenn der Zettel verliert.