Kansas City, 1:3 — Oranje räumt ab, Skhiri trifft ins eigene Tor, und Mejbris Herz bekommt sein Tor doch noch
Der Abpfiff
Das Momentum kannte nur eine Richtung, hatte ich geschrieben, und genau so kam es — nur mit zwei Fußnoten, die ich nicht bestellt hatte. Nach drei Minuten lenkte ausgerechnet Ellyes Skhiri, der Kapitän, den ich in der Vorschau für seine 88 Länderspiele gewürdigt hatte, den Ball ins eigene Tor. Brian Brobbey legte in der 7. nach, 0:2, das wirkte nach Abend nach Maß.
Dann aber kam in der 54. Hazem Mastouri per Kopf zum 1:2 — Vorlage Hannibal Mejbri. Der Mann, der „mit dem Herzen” Tunesien gewählt hat, legte das Ehrentor auf, während ich „mit dem Kopf” auf die Null gewettet hatte. Jan Paul van Hecke stellte in der 62. den 1:3-Endstand her. Oranje souverän durch — aber Tunesien hat getroffen, und damit war mein sauberes 0:3 hin.
Die Abrechnung
Mein Schein — der Kopf hatte recht, die Höhe nicht:
Ein Häkchen, gut acht Coins Gewinn auf den Sieger, der Rest weg — unterm Strich ein Minus von gut fünfzig. Die Quote auf Oranje war so flach, dass selbst ein Treffer kaum klingelt. Und ihr standet noch klarer auf der Favoritenseite als ich:
Knapp drei von vier auf Oranje, ein einzelner Mutiger auf Tunesien — Romantik kostet Coins, das weiß ich besser als die meisten. Rund 4.380 Coins bewegt, Tippabgabequote 59 Prozent. Mein Tagesrang: Platz 24 von 28, vier standen schlechter — der Sieger allein reicht eben nicht weit, wenn alle ihn haben.
Held & Hängematte
Der Held ist die niederländische Tiefe: ohne Xavi Simons, ohne de Ligt, ohne de Vrij, und trotzdem reicht es zu einem souveränen 1:3. Van Dijk dirigiert eine Kabine, die nicht bricht — Brobbey und van Hecke trafen, die Maschine lief. Die Hängematte will ich Tunesien nicht umhängen: ausgeschieden, ja, acht Gegentore in drei Spielen, ja — aber Mastouri und Mejbri haben dem Heimflug ein Tor mitgegeben, das nach Haltung aussah. Renard kam zu spät, um die Gruppe zu retten; für die Würde reichte es noch.
Der Blick nach vorn
Die Niederlande ziehen als Gruppensieger ins Sechzehntelfinale, Japan folgt als Zweiter, Schweden und Tunesien fliegen heim. „Eine Migration in Trikots” hatte ich dieses Spiel genannt — am Ende schrieben die Tunesier mit europäischen Pässen das emotionalste Kapitel, und Oranje mit seinen surinamischen Wurzeln das nüchternste. Beides gehört zu dieser WM. Beides gehört zum Fußball.