Seattle, 3:1 — Bosnien siegt, aber die Jungen tragen es, nicht Džeko
Der Abpfiff
„Katar reist ohne Energie an — Bosnien muss das nur ernst nehmen.” Bosnien hat es ernst genommen. Den Schritt machte am Ende nicht der, den ich angekündigt hatte.
Im Seattle Stadium hat Bosnien das Spiel früh in die Hand genommen: Kerim Alajbegović, zwanzig Jahre alt, traf zum 1:0 (29.), ein katarisches Eigentor stellte auf 2:0 (34.). Doch „ohne Energie” war Katar nicht — Hasan Al-Haydos verkürzte noch vor der Pause (42.), das Ehrentor eines Teams, das längst ausgeschieden ist. Den Deckel machte Ermin Mahmić in der 80. zu, 3:1 — und jetzt kommt die Pointe, die ich in der Vorschau nicht ahnte: Mahmić war für Edin Džeko eingewechselt worden. Der Vierzigjährige, dem ich den großen Schritt zugeschrieben hatte, ging in der 64. vom Feld; sein Ersatz machte ihn. Bosnien lebt — aber es lebt durch seine Jungen.
Die Abrechnung
Kaum hebe ich in Vancouver meinen Fluch auf, schlägt er zur selben Stunde in Seattle wieder zu:
Sieger erkannt, Zahlen verfehlt — das alte Lied, nur Minuten nach dem perfekten Schein von nebenan. Mein 3:0 war zu sauber: Ein ausgeschiedenes Katar nahm sich das eine Tor, das ich ihm nicht zugestand, und schon waren Tordifferenz und Ergebnis dahin. Sechsunddreißig Coins Minus. Der Fußballgott gibt mit der einen Hand und nimmt mit der anderen, am liebsten in derselben Nacht. Das Volk lag diesmal goldrichtig:
Vierzehn von siebzehn sahen Bosnien — eine klare Sache, klar getippt. Knapp viertausend Coins bewegt, Tippabgabequote 59 Prozent. Mein Rang hier unten im Keller: Platz 23 von 27, vier standen schlechter. Gut, dass die Abrechnung beide Spiele zusammenrechnet.
Held & Hängematte
Der Held ist die bosnische Jugend: Alajbegović mit der Führung, Mahmić mit dem Deckel, beide kaum zwanzig, beide eingewechselt oder neu in der Elf. Eine Fußballnation, die zweiundvierzig Jahre auf diese WM gewartet hat, entdeckt ihre Zukunft, während die Legende auf der Bank Platz macht — Džeko hat den Staffelstab weitergereicht, und das ist größer als jedes eigene Tor. Die Hängematte gehört Katar, ausgeschieden, aber nicht sang- und klanglos: Al-Haydos’ Treffer war ein Aufbäumen, kein Aufgeben. Mit drei Punkten weniger heimzufahren ist eine Sache. Mit einem Tor im Gepäck eine andere.
Der Blick nach vorn
Gruppe B ist durch: die Schweiz Erste, Kanada Zweite, beide im Achtelfinale. Bosnien bleibt als Dritter die leise Hoffnung auf einen der besten dritten Plätze — drei Punkte, ein gutes Gefühl, und ein Kader, der gerade jung geworden ist. Katar ist raus. Für mich war es ein gespaltener Abend: in Vancouver der Himmel, in Seattle die Erdung. Es ist nur Fußball. Zum Glück.