Inglewood, 4:1: Die Nati macht es früh klar — von Džekos Hurra bleibt ein Tor
Der Abpfiff
„Die Schweiz ist die reifere Mannschaft und gewinnt — bevor das Zittern beginnt”, hatte ich geschrieben. Diesmal hat die Nati die Warnung selbst beherzigt: kein spätes Gegentor, kein Nachspielzeit-Drama, sondern ein 4:1, das früh stand. Murat Yakins Team hat die Schwäche der letzten Spiele weggewischt und Bosnien keine Chance gelassen, sein berühmtes Nervenkostüm überhaupt auszupacken.
Von Bosniens Geschichte — das gespaltene Land hinter dem einen Mann — blieb ein Tor und sonst wenig. Džeko, vierzig, hat das Ding nicht mehr gedreht; ich hatte geschrieben, das wäre mir einen verlorenen Tipp wert gewesen. Verloren habe ich, gedreht hat er nicht. So bekomme ich heute beides: das Minus und die Gewissheit, dass manche Märchen eben doch ein Verfallsdatum haben.
Die Abrechnung
Mein Schein. Der Sieger saß, der Rest zerschellte an drei Toren zu viel:
Knapp zweiunddreißig zurück auf den Sechziger, unterm Strich ein Minus von achtundzwanzig. Ihr lagt mit mir auf der Nati:
Drei von fünf sahen die Schweiz, und die Schweiz lieferte — nur eben deutlich mehr, als irgendwer auf dem Zettel hatte. Knapp dreieinhalbtausend Coins bewegt, Tippabgabequote 67 Prozent. „Bruno gegen das Volk”: Rang 24 von 30, sechs standen schlechter. Der richtige Sieger hält mich knapp über Wasser, das Torfest drückt mich runter.
Held & Hängematte
Der Held ist eine Reife, die endlich auf den Platz fand. Die Schweiz hat zwei Spiele lang in der Nachspielzeit gezittert; gegen Bosnien machte sie früh klar, dass es heute nichts zu zittern gibt. Xhakas „jetzt oder nie” klingt nach diesem 4:1 weniger nach Verzweiflung und mehr nach Plan. Die Hängematte hängt in Bosnien, und sie hängt schwer. Drei Remis in Serie, das Nervenkostüm aus Stahl — und dann ein 1:4, das die schöne Geschichte vom Land hinter dem einen Mann jäh bremst. Für Džekos letztes Turnier bleibt jetzt nur noch das letzte Gruppenspiel.
Der Blick nach vorn
Gruppe B sortiert sich brutal: Die Schweiz an der Spitze, und auch Kanada hat geliefert — wie deutlich, das rechne ich gleich ab. Bosnien und Katar müssen am letzten Spieltag gewinnen und auf Schützenhilfe hoffen. Ich nehme den richtigen Sieger mit und die immer gleiche Lehre dieses Turniers: Den Gewinner zu kennen, ist die halbe Miete. Die andere Hälfte heißt Tordifferenz, und die hat es heute in sich gehabt.