Monterrey, 5:1 — so viel zu 'keiner traut sich'
Der Abpfiff
Ich hatte zwei Mannschaften gesehen, die sich selbst noch nicht trauen, und ein müdes 1:1 angesagt, mit dem keine zufrieden ist. Es wurde fünf zu eins. Schweden traute sich offenbar doch — und zwar alles auf einmal. Das teuerste Stürmerduo der WM, von dem ich schrieb, es spreche sich noch per Sie, hat sich heute Nacht in Monterrey geduzt, und Tunesien hat dabei zugesehen. Der Riegel, der gerade rostet? Er ist durchgebrochen.
Und das Bitterste steht in meiner eigenen Vorschau: „Wenn Gyökeres wieder in der 88. zuschlägt, habe ich eben Lehrgeld gezahlt.” Er musste gar nicht bis zur 88. warten. Meine Schwäche für symmetrische Mannschaften hat mich auf die eine Seite gestellt, die heute Nacht nicht existierte. Ich war jung, ich brauchte den Tipp.
Die Abrechnung
Mein erstes Remis des Batches, und es ging unter wie ein Stein — drei Häkchen auf einen Ausgang, den es nie gab:
Hundertzwanzig, und diesmal ohne mildernde Umstände. Das Volk war klüger als der Kolumnist: fast drei von vier gingen auf Schweden, und fast drei von vier hatten recht. Meine zwei Remis-Brüder und ich standen allein im Regen.
3.760 Coins bewegt, Tippabgabequote nur noch 68,2 Prozent — das 4-Uhr-Spiel hat ein knappes Drittel verschlafen, der härteste Schwund des Batches. Und an der unteren Kante steht ein alter Bekannter:
Slodde, der mit dem exakten 2:0 das Turnier eröffnete und seither in Serie die dreihundert anzündet — heute hält er mir den Spiegel hin, und ich schaue ungern hinein. Bruno vs. Volk: Rang 30 von 31 an diesem Spiel, ein einziger stand schlechter. Ich habe mit dem Mahnmal um den Bodensatz gerungen. Es ist nur Fußball. Zum Glück.
Held & Hängematte
Der Held ist ein Sturmduo, das endlich klickt: Was in der Quali nie zusammenfand, fand in Monterrey auf einmal Rhythmus, und ein Team, das als jüngstes der WM galt, sah plötzlich erwachsen aus. Wer fünf Tore schießt, hat keine Selbstzweifel mehr. Die Hängematte hängt in Tunis, und sie ist hausgemacht: Der Verband hat den Mann gefeuert, der als erster überhaupt eine komplette Quali ohne Gegentor baute — und an diesem Abend kassierte sein Nachfolger fünf. Acht Gegentore in fünf Spielen waren keine Formdelle, ich habe es geschrieben, es war ein Identitätsproblem. Heute hat es einen Namen bekommen: 5:1.
Der Blick nach vorn
Gruppe F ist nach einem Abend dreigeteilt: Schweden vorn mit der größten Geste, Japan und die Niederlande haben sich die Punkte und meine Sympathien geteilt. Tunesien muss seine Null neu erfinden, schnell. Ich lecke die Wunden, zähle die Rente, die mir bleibt — und nehme mir vor, das nächste Remis erst zu tippen, wenn beide Mannschaften es auch wollen.