Australien – Türkei 2:0: Die Socceroos überfallen die junge Türkei — und die Statistik betrügt Bruno schon wieder
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben: Die Türkei ist zu jung, um so lange gewartet zu haben, und gewinnt genau deshalb. Falsch, in voller Länge. Australien — die Mannschaft, die niemand fürchtet und keiner gern hat — hat die goldene Generation kühl aus dem Turnier-Auftakt geräumt: Nestory Irankunda traf in der ersten Halbzeit, Connor Metcalfe legte nach der Pause nach, 2:0, und im Tor hielt der junge Patrick Beach alles fest, was kam. Ohne den verletzten Yıldız fanden Güler und Çalhanoğlu kein Schlüsselloch; die 24-Jahre-Rückkehr beginnt mit null Punkten und einer Lehrstunde in Abgeklärtheit.
Und dann die Anekdote. Ich hatte euch zum Abschied die einzigen beiden Duelle dieser Länder vorgehalten — 2004, beide an die Türkei — und diesmal mit der Statistik getippt, „am liebsten, wenn sie meiner Meinung ist”. Vorgestern habe ich gegen so eine Anekdote getippt und verloren (fragt Katar). Heute habe ich mit ihr getippt und wieder verloren. Diese Statistik ist eine Münze, die extra auf der Kante landet, nur um mich zu ärgern.
Die Abrechnung
Mein Schein, drei Häkchen, drei Kreuze:
Hundertzwanzig Coins fürs Frühstück. Und ihr saßt mit mir im selben türkischen Boot:
Mehr als zwei von drei sahen die Türkei vorn — und nur zwei einsame Australien-Tipper hatten den Mut, der sich auszahlte. Das Spiel bewegte 3.200 Coins bei nur 57 Prozent Tippabgabe: Das Sechs-Uhr-Frühstücksspiel hat die dünnste Beteiligung des Turniers gebracht (neunzehn blieben liegen). Coup und Schmerz lagen entsprechend weit auseinander:
Und „Bruno gegen das Volk”? Minus 120, Rang 18 von 26 — wieder rettet mich nur, dass ich nie den Anschlag spiele: Acht standen schlechter da als ich, allesamt mit dickerem Einsatz auf dieselbe falsche Türkei.
Held & Hängematte
Der Held ist ein ganzes Kollektiv in Gelb-Grün: Irankunda und Metcalfe trafen, aber der eigentliche Sieg trägt die Handschuhe von Patrick Beach, der seinen Kasten bei seinem ersten großen Auftritt sauber hielt. Australien, sechste WM in Folge, hat genau das gemacht, was Routine kann — den Favoriten langweilen, bis er Fehler macht. Die Hängematte schaukelt in der türkischen Euphorie: Eine Generation, die „von niemandem die Erlaubnis braucht”, brauchte heute einen Yıldız, den die Wade zu Hause ließ. Ohne ihn war der Plan da, aber der letzte Pass nicht — und gegen abgezockte Socceroos ist das zu wenig.
Der Blick nach vorn
Gruppe D gehört nach dem ersten Spieltag den Außenseitern der Erzählung: die USA mit ihrem 4:1, jetzt Australien mit dem 2:0 — sechs Punkte, beide ohne Gegentor, und meine Türkei wie Paraguay mit leeren Händen. Die junge Türkei hat 24 Jahre auf diese WM gewartet; auf den ersten Punkt wartet sie jetzt auch noch, gegen die USA und Paraguay. Und ich warte darauf, dass eine Statistik mal für mich lügt statt gegen mich. Bisher tut sie es zuverlässig in beide Richtungen.