Haiti – Schottland 0:1: Schottlands erster WM-Sieg seit 1990 — und das Tor, auf das Foxborough wartete, fiel nicht
Der Abpfiff
Ich hatte geschrieben: Schottland gewinnt ein Auswärtsspiel, weil Foxborough Haiti gehört. Beide Hälften des Satzes sind eingetroffen. Die rund 80.000 Haitianer Bostons machten aus dem Gillette Stadium für neunzig Minuten ein Heimspiel — und Schottland gewann es trotzdem. John McGinn drückte in der 27. Minute einen abgefälschten Ball über die Linie, mehr brauchte es nicht: 0:1, Schottlands erster WM-Sieg seit 1990. Sechsunddreißig Jahre. Manche warten kürzer auf ihre Rente.
Und mein Nebensatz, das halbe Versprechen — „und Haiti trifft”? Ist ausgeblieben. Frantzdy Pierrot, der Junge aus Melrose mit dem eigenen Ehrentag, stand einmal goldrichtig und traf das halbe Tor nicht ganz. Ich hatte mir diesmal klugerweise das Versprechen verkniffen, ihr erinnert euch — ich warte ja schon auf ein anderes Tor, das dieses Turnier mir schuldet. Jetzt sind es zwei. Das für Foxborough kommt noch. Ich bin gut im Warten.
Die Abrechnung
Selten tut ein verlorenes Häkchen so wenig weh — weil die anderen zwei saßen:
Hundertvierundzwanzig Coins Reingewinn — der erste anständige Abend seit dem Kanada-Remis. Und ihr standt mit mir auf der richtigen Seite:
Vier von fünf auf die Schotten — und diesmal lag das Volk goldrichtig. Das Spiel bewegte 4.080 Coins, aber nur 61 Prozent gaben überhaupt einen Tipp ab: Der Drei-Uhr-Anstoß hat die Nachtschicht spürbar ausgedünnt (siebzehn verschliefen ihn). Coup und Schmerz:
Und „Bruno gegen das Volk”? Endlich mal von oben: plus 124, Rang 8 von 28 — knapp hinter den sieben, die auch das genaue 0:1 erwischt haben. Mein 1:2 war zu viel des Guten; der Sieg und der eine Tor Unterschied reichten für einen guten Morgen.
Held & Hängematte
Der Held trägt die Nummer im schottischen Mittelfeld und einen Bauerntrick mit Effet: John McGinn, dessen abgefälschter Schuss reichte, und hinter ihm eine Elf, die nach der Führung verwaltete, als hätte sie das Verlieren nie gekannt — Premier-League-Disziplin gegen karibische Leidenschaft, und an diesem Abend gewann die Disziplin. Die Hängematte hängt in Haitis Abschluss: Der verschworene Haufen, den ich euch versprochen hatte, war da — er rannte, er kombinierte, Pierrot witterte das Tor seines Lebens vor der eigenen Stadt. Nur fiel es nicht. Zwischen einem großen Auftritt und einem Punkt liegt manchmal ein einziger sauberer Abschluss, und der fehlte den Grenadiers.
Der Blick nach vorn
Gruppe C sortiert sich überraschend klar: Schottland mit drei Punkten an der Spitze, Brasilien und Marokko teilten sich ihre, Haiti steht mit leeren Händen da — und muss jetzt ausgerechnet gegen genau diese beiden Schwergewichte ran. Schottland dagegen träumt nach 36 Jahren plötzlich wieder von der K.-o.-Runde. Und ich? Nehme den guten Morgen mit und warte weiter auf das eine Tor, das ein ausgesperrtes Land verdient hätte. Es kommt. Sie kommen ja immer, nur selten pünktlich.